1861 - Das Gründungsjahr

Im Jahre 1861, dem Gründungsjahr des Turnvereines, hatte Sinsheim ca. 2000 Einwohner. Am 03.Juni jenen Jahres fanden sich 112 Bürger aus der Gemeinde zusammen, um den Turnverein aus der Taufe zu Heben. Die 112 Gründer bildeten einen repräsentativen Querschnitt der gesamten Bevölkerung.

Einen Tag nach der Gründungsversammlung wurde die erste Vorstandsitzung abgehalten, die Anschaffung von Turngeräten (Reck, Barren) wurde beschlossen.

Schon eine Woche nach der Gründung feierte der junge Verein sein Gründungsfest unter den Linden beim Kloster (jetzige Kreispflegeanstalt). Über 100 Turner aus Heilbronn, Mannheim, Heidelberg, Beerfelden und Eberbach waren erschienen.

Am 03. August 1861 wurde die Verbindung zur Deutschen Turnerschaft durch den Beitritt zum Oberrheinischen Turnerbund aufgenommen.

1862 - Nachwuchssorgen

Die besondere Sorge des jungen Vereins galt der Heranbildung des Nachwuchses. Das Protokoll vom 06. April 1862 sagt darüber: "Es sollen nunmehr auch Knaben ohne Rücksicht auf Alter als Turnzöglinge aufgenommen werden, falls die körperliche Beschaffenheit derselben solches erlaubt."

In diesem Jahr nahm der Verein mit 22 Turnern am Turnfest in Bretten teil. Auszug aus dem Protokollbuch: " Regenwetter abgerechnet, verlief alles in schönster Ordnung".

1863 - Vorzeitiger Amtsrücktritt

Am 22. August 1863 legte der erste Vorstand sein Amt nieder, sein Stellvertreter August Carl übernahm bis zur Generalversammlung am 06. März 1864 den Vorsitz.

1864 bis 1879 - Ära Vierling

Bei dieser Generalversammlung wurde der Färbermeister Karl Vierling zum ersten Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt hatte er bis zum 16. März 1879 inne. Am 10. September 1864 wurde auf Anregung des Verwaltungsrates der Feuerwehr eine Turnerfeuerwehr gegründet, der sofort 31 Turner beitraten. In die Amtszeit von Karl Vierling fiel auch der Krieg 1870/71, an dem 20 Turner teilnahmen.

1880 bis 1885 - Vereinsalltag

Jakob Stork, der die Nachfolge von Karl Vierling angetreten hatte, übergab am 7. März 1883 den Vorsitz an Karl Schopf. Dieser führte die Geschicke des Vereins bis zum 11. März 1883. In seiner Amtszeit trat der Verein dem X. Deutschen Turnkreis bei.

Regen Besuches der Sinsheimer Bevölkerung erfreute sich ein Schauturnen auf der "Stadtwiese" am 10. Mai 1881, an dem der Turnverein Heidelberg mit 30 Turnern teilnahm.

Nach dem Rücktritt von Karl Schopf wurde Julius Schick als Nachfolger gewählt. Während seiner Amtszeit, die bis März 1886 dauerte, nahm man am oberrheinischen Kreisturnfest in Neustadt a.d.H. aktiv teil.

1886 - 25 Jahre Turnverein

Das Jubiläumsfest fand am 26. und 27. Juni unter großer Anteilnahme der Sinsheimer Bevölkerung statt. Höhepunkt des Festes war die Enthüllung der Vereinsfahne, die die Fahne des früheren Bürgermilitärs ablöste, welche dem Verein am 28. Juni 1861 übergeben worden war.

Die Anschaffung dieser Fahne, die unsere Turner auf vielen Festen und Veranstaltungen begleitete - sie ist leider seit 1945 spurlos verschwunden - wurde ermöglicht durch Geldsammlungen durch Damen des Vereins und Geldzuwendungen.

1914 bis 1918 - Kriegsjahre

Der langjährige Vorsitzende Julius Schick verstarb am 12. April 1914. Der Verein beteiligte sich geschlossen mit den Fahnen von 1831 und 1886 am Trauerzug.

Mitten in den Vorbereitungen zum Gauturnfest in Neckarsteinach fiel der Beginn des 1. Weltkrieges. Fast alle Turner wurden eingezogen; 52 von ihnen sahen ihre Heimat nicht wieder.

1919 bis 1920 - Vereinigung der beiden Turnvereine

Der 01. März 1919 brachte die Vereinigung der beiden Turnvereine (Männerturnverein und Turnverein 1861) unter dem Namen "Turnverein Sinsheim von 1861, vereinigte Turnvereine".

In der Generalversammlung vom 21. Januar 1920 schied der 1. Vorsitzende August Ziegler aus seinem Amte. Sein Nachfolger wurde Emil von Hausen.

Im gleichen Jahr wurde eine Schwimmabteilung gegründet.

1921 bis 1924 - Einweihung des städtischen Sportplatzes

Am 23. Juli 1921 wurden in Sinsheim die Reichsjugendwettkämpfe ausgetragen.

Am 21. August beteiligte sich der Verein an der Einweihung des städtischen Sportplatzes.

In den Jahren 1922 bis 1924 nahm der Verein mit Einzelturnern und einer Vereinsriege an vielen regionalen Turnfesten teil, so z.B. am Deutschen Turnfest in München im Jahre 1923. Der Chronist berichtet von einem bleibenden Erlebnis.

1925 - Schmerzlicher Verlust

Am 08. November 1925 verstarb unerwartet der langjährige, hochverdiente Vereins- und Gauvorsitzende Emil von Hausen.

1926 bis 1927 - Handballabteilung

Das 65 jährige Stiftungsfest feierte der Verein im Juni 1926 unter der Leitung des neuen Vorsitzenden Emil Gmelin, der die Nachfolge von Emil von Hausen angetreten hatte. Zum Kreisturnfest nach Offenburg entsandte der Verein eine Riege mit 12 Turnern sowie 3 Einzelkämpfer.

Die im Jahre 1925 gegründete Handballabteilung nahm 1927 ihren Spielbetrieb auf dem neuen Sportplatz im Wiesental auf.

1928 bis 1931 - Turneralltag

In diesen Jahren besuchte man unter anderem das Deutsche Turnfest in Köln sowie das Badische Landesturnfest in Mannheim. 120 Teilnehmer, 6 Einzelturner und eine Vereinsriege vertraten den Verein in Mannheim

Im Jahre 1931 feierte der Turnverein das 70 jährige Bestehen. Aus diesem Anlass wurde an Pfingsten das Norbadische Jugendtreffen des X. Turnkreises abgehalten, es kamen 1200 Jugendliche.

1932 bis 1933 - Totale Umgestaltung aller Vereine

Am 06. April 1932 schied der 1. Vorsitzende Emil Gmelin aus seinem Amt aus. Friedrich Stoll wurde als 1. Vorstand gewählt, gab jedoch nach kurzer Zeit dieses Amt an Bürgermeister Pahl ab.

Das Jahr 1933 brachte eine totale Umgestaltung aller Vereine. Die gesamte Vorstandschaft erklärte in den ersten Apriltagen 1933 ihren Rücktritt.

Robert Gmelin wurde zum ersten Vorsitzenden bestellt, der als 2. Vorstand Ludwig Dittes berief.

Im August 1933 wählte die Generalversammlung Oberstudiendirektor Friedrich Heiß zum 1. Vorsitzenden.

1934 bis 1938 - Einheitssatzungen

Am 07. April 1934 wurden die "Einheitssatzungen" eingeführt, der Sportverein mit dem Turnverein vereinigt und der Name in "Turn- und Sportverein 1961" geändert.

Im Oktober 1935 traf den Verein durch den Tod des Ehrenmitgliedes Emil Gmelin ein schwerer Verlust.

1937 fiel die notwendig gewordene Wahl des ersten Vorsitzenden auf Apotheker Philipp Kullmer, der dieses Amt bis 1945 behielt.

1939 bis 1945 - Kriegsjahre

Die 1933 - 1939 schon stark eingeschränkte Vereinstätigkeit kam während des 2. Weltkrieges fast völlig zum Erliegen. Viele Turner sind aus diesem Krieg nicht mehr heimgekehrt.

Dem neu gegründeten Rhein - Neckar - Gau trat der Verein am 23. Mai 1871 bei. Mit 15 Mitgliedern beteiligte sich der Verein am 1. Gautunrfest 1871 in Mannheim.

Am 16. März 1879 trat der langjährige Vorstand Karl Vierling von seinem Amt zurück. "Er war ein eifriger und beliebter Förderer der Sinsheimer Turnsache", weiß der Chronist zu berichten.

1946 bis 1948 - Wiederaufnahme des Turnbetriebes

Die Turnerinnen und Turner begannen, sich in der "Sportgemeinschaft" wieder zu organisieren. Sichtbares Zeichen der erfolgreichen Aufbauarbeit waren die Siege der Turnerinnen Wild, Leucht und Schulz beim Deutschen Turnfest 1948 in Frankfurt/Main.

In den ersten Januartagen 1947 verstarb der langjährige Ehrenturnwart und Gauvositzende Albert Wickenhäuser.

1949 bis 1976 - 27 Jahre 1. Vorsitzender

Im Jahre 1949 trennte sich der Turnverein 1861 Sinsheim wieder vom TSV Sinsheim, nachdem die beiden Vereine 1935 "gleichgeschaltet" worden waren.

In der ersten Mitgliederversammlung am 08. September 1949 wählte die Versammlung Helmut Gmelin zum 1. Vorsitzenden. Besonderen Wert legte man auf die Feststellung, dass es sich nicht um eine Neugründung handelte, sondern um die Fortführung des traditionsreichen Turnvereins von 1861.

Neben dem Männer-, Frauen-, Jugend- und Kinderturnen betrieb der Verein zu diesem Zeitpunkt Leichtathletik, Handball und Tischtennis. Weitere Abteilungen wie Prellball, Basketball und Skifahren schlossen sich dem Verein an.

In unermüdlicher Kleinarbeit wurde in den einzelnen Abteilungen Vorbildliches geleistet. Aus dieser Konsequenz im Kleinen erwuchs dann auch der Erfolg im Großen. So konnten bei zahlreichen Wettkämpfen sowohl im turnerischen als auch im leichtathletischen Bereich beachtliche sportliche Erfolge erzielt werden.

Das 100. jährige Vereinsjubiläum feierte der Turnverein in großem, festlichen Rahmen am 02. Juli 1961. Das Gauturnfest und das Gaukindertreffen, sowie die Badischen Leichtathletik - Jugendmeisterschaften gehörten zu den Höhepunkten der Festveranstaltungen.

Am 27.03.1976 trat Helmut Gmelin als 1. Vorsitzenden des Turnvereins zurück. Berufliche und gesundheitliche Gründe ließen es nicht mehr zu, dass er dieses Amt, das er seit 27 Jahren innehatte, weiter ausübte. Der neue 1. Vorsitzende Erich Maier ernannte auf vorheriges Befragen der Generalversammlung hin Helmut Gmelin zum Ehrenvorsitzenden des Vereins mit Sitz und Stimme im Turnrat. Damit wurde ihm Dank und Anerkennung für seine hervorragenden Verdienste um den Verein ausgesprochen.

Seit 1977 - Breiten- und Freizeitsport

Diesem Ziel hat sich der Turnverein 1861 Sinsheim verschrieben. Rund 1300 Mitglieder in 7 Abteilungen zeigen, dass diese Aufgabe hervorragend gelöst wurde.